Von Goggeln, Goggelinnen und Damensalons

Gemeinsam mit weiteren Mitunterzeichnerinnen und Mitunterzeichnern brachte die grüne Landtagsabgeordnete Brigitte Foppa am in Tirol so vergangenheitsträchtigen 20. Februar den parteienübergreifenden Antrag im Landtag ein, einen „Saal der Volksvertreterinnen“ einzurichten, und damit „eine Ausstellung mit Erläuterungen über Frauen in der Südtiroler Politik zu konzipieren, die dafür erforderlichen Recherchen anzustellen und in einem öffentlichkeitswirksamen Raum im Landtagsgebäude einzurichten.“ Klingt sachlich, lässt Vieles über die Gestaltung offen und wäre ein Beitrag zur Aufarbeitung von wichtigen Leistungen Südtiroler Politikerinnen wie u.a. Waltraud Gebert-Deeg oder Lidia Menapace. Aber nein. Auf Salto.bz wird Foppa für diesen Antrag der „Pollo der Woche“ verliehen. In seiner Kolumne formuliert Christoph Franceschini seine vielleicht nicht ganz ernst zu nehmende Watsch’n, erschien sie doch in der „Hoch-Zeit“ des Faschings. Aber Watsch’n bleibt Watsch’n, und oft sind es gerade jene, denen sprachliche Unschärfen oder Unreflektiertheiten „durchrutschen“, die Reaktionen in eine von der Redaktion, so hoffe ich jedenfalls, nicht intendierte Richtung hervorrufen, wie man an den Kommentaren ablesen kann. (Eine kleine Anmerkung, die hier nur am Rande Platz haben soll, aber eine eigene Betrachtung wert wäre: ich frage mich seit Anfang Jänner, warum ein so präzise und leidenschaftlich am intellektuellen Zweifel entlang schreibender  und genau dadurch Position beziehender Beiträger wie Gabriele Di Luca nicht mehr für Salto schreibt.)

Wenn man Sprache als Bewusstseinsspiegelung und auch als bewusstseinsbildende Kraft versteht, ist es, denke ich, gerade die öffentlich rezipierte Sprache der Medien, wie jegliche in öffentlichen Kontexten verwendete Sprache, die sich dessen bewusst sein sollte und die dementsprechend „Macht und Einfluss“ auf die Meinungsbildung hat. Mit dieser Macht besonnen und vorsichtig, aber auch punktgenau zielend umzugehen, erwarte ich mir von gutem Journalismus. Franceschini hat nun meiner Meinung nach ordentlich danebengeschossen, und das beginnt schon beim Titel: „Spiegelkabinett im Damensalon“. Aus dem Saal wird also ein Salon und aus den Volksvertreterinnen werden Damen. Salon und Damen verweisen das Vorhaben in typisch weibliche Räume, in das Reich der Friseur- und Coiffeursalons und der damit assoziierten „Putz- und Geltungssucht der holden Weiblichkeit“, aber auch in die Sphäre von Damenkränzchen, in bürgerliche Zusammenhänge, private Rückzugsorte, in denen vor allem im 18. Jahrhundert Frauen der gehobenen Schicht für gesellige und kulturell angehauchte Tätigkeiten zusammenkamen. Ich denke nicht, dass Franceschini mit der Wahl des Wortes die literarischen und durchaus kunstsinnigen Leistungen im Kopf hatte, die aus der Salon-Kultur des 18. Bzw. 19. Jahrhunderts, ich denke an die Salons etwa von Rahel von Varnhagen, Bettine von Arnim, Charlotte von Stein) hervorgingen.  Saal der Volksvertreterinnen hingegen verweist auf die politische Funktion der Frauen sowie auf einen öffentlichen Raum.

Der Verweis auf das Öffentliche wird mit dieser Wortwahl also schon einmal eingeschränkt bzw. die „Damen“ ins Private verwiesen. Kombiniert mit dem Argument Franceschinis, dass in der gegenwärtigen Neid- und Missgunstgesellschaft jeder Cent, der von Politikerinnen und Politikern beansprucht wird, Wasser auf die Mühlen der Wutbürger ist, entsteht der Eindruck, Foppa würde ihren Vorschlag zum „Privatvergnügen“ umsetzen. Denn entzünden sich der Unmut und Zorn nicht vor allem dann, wenn Politikerinnen und Politiker öffentliche Geldmittel vor allem für private Belange missbrauchen, sprich Privatjets, Anstellungen von Ehefrauen ohne Gegenleistung etc., Privilegien? Nichts davon ist mit Foppas offiziellem Vorschlag in Verbindung zu bringen. Man muss nicht alles über den Kamm der Wutbürgerei scheren, wie immer gilt es zu differenzieren. Und Foppas Antrag ist ein politisches Unterfangen, das mit dem Vorschlag der drei Spiegel, durch die die Besucherinnen und Besucher selbst in das Spiegelspiel des Saals miteinbezogen werden, den sich spiegelnden Frauen ihre „Mangelsituation“ zurückreflektiert und den Männern genau das, was Franceschini mit seinem Kommentar tut: nämlich Verniedlichung, Zurückweisung ins Private, Nicht-Ernst-Nehmen. Die symbolische Ebene, die damit im Saal der Volksvertreterinnen präsent wäre, könnte so sehr wohl auf die reale Ebene zurückstrahlen.

Eine letzte Anmerkung – um im Bereich der Tierbilder zu bleiben: man soll zwar nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen, aber die tierbildhaften Assoziationen in Bezug auf Brigitte Foppa haben sich in letzter Zeit doch unangenehm angehäuft und gehen, denke ich mich in ihre Haut hinein, auf keine Kuhhaut: So veröffentlichte das Online-Portal unsertirol24.com im Zusammenhang mit der Aussage Foppas, in einem laizistischen Staat hätten keine religiösen Symbole, also auch das Kreuz, keinen Platz in öffentlichen Gebäuden (konkret: in Schulen) eine Fotomontage der Politikerin mit dem gekreuzigten Frosch von Martin Kippenberger, dem Kunstwerk, das vor Jahrzehnten die katholischen Gemüter im Lande zum Erhitzen und zum Beten brachte. Die Montage wurde zwar, und  hier teilt sie das Schicksal des Kunstwerks, bald aus dem Netz entfernt, aber nicht, so die Darstellung der Redaktion, wegen Frau Foppa, sondern weil sich „zahlreiche Leser an Uns gewandt haben, welche den Kippenberger-Frosch als Beleidigung ihrer religiösen Gefühle werten und Uns nichts ferner als solches liegt.“ Pluralis Majestatis großgeschrieben inklusive. Nun mit dem Pollo, dem Goggel oder wohl gendergerecht der Goggelin der Woche an diese tierischen Metaphern anzuknüpfen, scheint mir unbedacht, ungeschickt und der eigentliche, allerdings schlecht geratene Faschingsscherz. Und nicht umsonst erscheinen meine Überlegungen am Faschingsdienstag.

 

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